The Author Brief
Arbeitsbeschreibung der Redaktion
Stand: 2. Oktober 2026 · Frankfurt am Main
Redaktionelle Standards
Themen prüfen, bevor sie groß werden
Wie eine Redaktion entscheidet, ist oft schwerer zu verstehen als das Ergebnis. Deshalb legen wir offen, wie Themen ausgewählt, geprüft und bei Bedarf aktualisiert werden — von der ersten Recherchefrage bis zur datierten Korrektur.
Rubriken dieses Hauses
- Politik & Analyse Regierungshandeln, Koalitionen, Gesetzgebung Geprüft gegen Originaldokumente und Protokolle
- Investigative Recherchen Lange Wege, mehrere Quellen, ein Prüfvermerk Quellenlage im Abonnement nachlesbar
- Wirtschaft & Finanzen Zahlen nur gegen die Originalquelle Schätzungen werden als Schätzung gekennzeichnet
Redaktionelle Standards: die Grundregeln
Diese Regeln gelten für jede Analyse, jede Recherche und jeden Essay. Sie stehen hier, damit Leserinnen und Leser unsere Beiträge einordnen können — auch dann, wenn sie zu einem anderen Ergebnis kommen.
Jeder Beitrag beruht auf benannten Quellen oder auf eigener Recherche. Wir veröffentlichen keine Aussage ohne Prüfung, auch dann nicht, wenn sie bereits zitiert und damit scheinbar belegt ist. Bei umstrittenen Punkten suchen wir die Gegenseite, sofern sie erreichbar ist. Ist sie es nicht, steht das im Text.
Diese Regel klingt einfach und ist im Tagesgeschäft die schwierigste. Sie entscheidet darüber, wie belastbar eine Berichterstattung am Ende ist. Deshalb schreiben wir auf, welcher Stand zu welchem Zeitpunkt galt und was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten.
Wir trennen strikt zwischen Nachricht, Analyse und Kommentar. Eine Meinung wird als Meinung gekennzeichnet, eine Wertung bleibt beim Autor und wird nicht als Tatsache ausgegeben. Auch die Auswahl des Themas ist Teil der Aussage.
Zahlen nennen wir mit ihrer Bezugsgröße: Zeitraum, Grundgesamtheit, Erhebungsmethode. Wo eine Angabe nur geschätzt ist, steht das ausdrücklich daneben. So lässt sich jede Zahl im Text nachrechnen.
Sollte eine Regel im Einzelfall nicht greifen, sagen wir warum. Eine stillschweigende Ausnahme wäre eine Ausnahme ohne Begründung — und damit eine Ausnahme zu viel.
Faktencheck Ablauf: Zahlen und Zitate
Die Prüfung ist im fertigen Artikel nicht sichtbar, aber nachvollziehbar. Wir dokumentieren jeden Schritt intern, damit ein Fehler später zuordenbar bleibt und nicht nur vermutet werden kann. Diese Praxis kostet am Anfang Zeit und spart sie am Ende.
- Zahlen Geprüft gegen die Originalquelle, nicht gegen eine Sekundärquelle. Abweichungen zwischen beiden werden im Text benannt. Originalquelle
- Zitate Bei umstrittenen Aussagen holen wir die Vollversion, nicht den Kurzausschnitt aus einem sozialen Netzwerk. Vollversion
- Schätzungen Wo eine Zahl nur geschätzt ist, steht sie als Schätzung im Text — mit Zeitraum und Bezugsgröße. Kennzeichnung
- Dokumentation Prüfschritte werden intern festgehalten, damit ein Fehler zuordenbar bleibt. Bei Recherchen enthält das Abonnement einen Prüfvermerk mit Quellenangaben. Prüfvermerk
Recherche Methode
Drei Fragen vor jedem Thema
Bevor wir ein Thema annehmen, beantworten wir drei Fragen. Wenn wir sie nicht beantworten können, warten wir. Das ist der Grund, warum unsere Themenauswahl manchmal langsamer ist — wir arbeiten lieber mit einem klaren Überblick als mit einem schnellen Fakt.
- Die Nachricht Was ist der Kern, der sich in einem Satz sagen lässt — und was bleibt Behauptung?
- Die Lücke Was wissen wir bisher nicht, und welcher Schritt fehlt, um das zu klären?
- Reichweite Wen betrifft das außerhalb der Fachöffentlichkeit — und warum sollte das jemand lesen?
- Konsequenz Laute Themen ohne neue Erkenntnis nehmen wir nicht an; leise Themen mit neuer Recherche schon.
Der Ablauf ist bewusst konservativ und dafür verlässlich. Er kostet Zeit an der Stelle, an der eine schnelle Veröffentlichung am meisten verlockt.
Wer prüft den Prüfer
Redakteure prüfen Beiträge, und Vorgesetzte prüfen die Redakteure. Bei besonderen Recherchen prüft zusätzlich eine zweite Person außerhalb der Ressortlinie. Dieses Vier-Augen-Prinzip ist keine Bürokratie, sondern eine Absicherung gegen den Zeitdruck, der Fehler erzeugt. Wo es versagt, greift die Korrekturpolitik. Fehler lassen sich nicht vermeiden, aber handhaben.
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Erste Prüfung
Die Redakteurin oder der Redakteur prüft Aussage, Quelle und Bezugsgröße im eigenen Ressort.
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Zweite Prüfung
Die Ressortleitung liest gegen: Passt der Anspruch des Textes zur tatsächlichen Beweislage?
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Ausnahme bei Recherchen
Bei umfangreichen Recherchen liest zusätzlich eine Person mit, die nicht an der Recherche beteiligt war.
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Wenn etwas durchrutscht
Dann greift die Korrekturpolitik weiter unten: Fehler werden benannt, datiert und am Text dokumentiert.
Korrekturpolitik: Fehler benennen, nicht verstecken
Wenn wir falsch liegen, korrigieren wir am Ende des Artikels — mit Datum und Erläuterung. Wir löschen keine Passagen, weil das die Nachvollziehbarkeit zerstören würde. Bei wesentlichen Fehlern kommt ein Hinweis an den Anfang des Textes, damit sofort sichtbar ist, dass sich etwas geändert hat.
Offenheit kostet Vertrauen nur kurzfristig, wenn überhaupt. Verschwiegene Korrekturen kosten es dauerhaft. Ein Fehler, der nachvollziehbar dokumentiert ist, lässt sich einordnen — ein still gelöschter Satz nicht.
Aktualisierung Inhalte: Wann Texte nachgeführt werden
Nicht jeder Artikel hat eine lange Haltbarkeit. Wo sich ein Sachstand ändert, ergänzen wir den Artikel mit einer datierten Nachführung. Bei laufenden Entwicklungen wie einer Regierungsbildung kann das häufiger geschehen als bei einem Gerichtsurteil, das in Rechtskraft erwachsen ist.
Ein Update ist keine stille Bearbeitung, sondern eine sichtbare Ergänzung. Diese Transparenz unterscheidet einen Hintergrundbericht von einem Archivfund, dessen Datum niemand mehr prüfen kann.
Themenauswahl: Wie wir Prioritäten setzen
Wir bewerten Themen nach drei Kriterien: politische Wirkung, Alltagsrelevanz und Rechercheaufwand. Das sind nicht die einzigen Kriterien, aber die wichtigsten. Ein Thema mit hoher Wirkung, aber ohne neue Recherche, landet oft nicht bei uns, wenn es schon überall läuft. Ein Thema mit geringer Wirkung, aber neuer Recherche, kann trotzdem einen Beitrag wert sein. Diese Abwägung ist Sachentscheidung, nicht Bauchgefühl.
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Politische Wirkung
Entscheidet, wie dringlich ein Thema ist.
Wir fragen, welche Entscheidung gerade ansteht und wer sie trifft. Ein Vorhaben in der Abstimmung ist relevanter als eines im Vorwahlstadium.
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Alltagsrelevanz
Entscheidet, für wen wir schreiben.
Betrifft es Mieten, Löhne, Schulen, Gesundheit oder den Weg zur Arbeit? Wenn nur die Fachwelt betroffen ist, schreiben wir für die Fachwelt — aber selten.
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Rechercheaufwand
Entscheidet, wann ein Text erscheint.
Aufwand ist kein Ausschlusskriterium, sondern eine Zeitangabe. Wie lange eine Prüfung dauert, sagen wir lieber vorher als nachher.
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Was nicht zählt
Aufmerksamkeit allein zählt bei uns nicht.
Ein Thema, das nur Klicks verspricht und nichts erklärt, ist kein guter Beitrag — unabhängig davon, wie oft es an diesem Tag gesucht wird.
Was wir erwarten, wenn Sie uns schreiben
Wir freuen uns über konkrete Hinweise. Ein Link und ein Satz zur Relevanz helfen mehr als eine allgemeine Kritik. Bei Kürzungen oder Ergänzungen greifen wir ein, wenn sie sachlich sind. Wir versprechen keine Antwortgarantie, aber eine Prüfung.
- Hinweise werden vertraulich behandelt. Wenn Sie namentlich nicht genannt werden möchten, vermerken Sie das bitte im Text.
- Bei Themenvorschlägen hilft der Bezug zur Fragestellung: Wen betrifft es, was ist daran neu?
- Beschwerden über einen Beitrag prüfen wir anhand des Textes, nicht anhand des Ausschnitts.
Hinweis senden
Ein Satz zur Relevanz reicht für den Anfang.
Formulieren Sie Ihr Anliegen direkt an die Redaktion. Wir prüfen jeden Vorschlag und melden uns, wenn er für uns tragfähig erscheint.
- Redaktion
- The Author Brief
- Anschrift
- Zeil 106, 60313 Frankfurt am Main
- Telefon
- +49 69 71916384
- [email protected]
- Erreichbar
- Montag bis Freitag, 09:00–18:00 Uhr
Pflichtangaben zur Erreichbarkeit der Redaktion. Datenschutzhinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Häufige Fragen zum Ablauf
Vier Fragen, die uns Leserinnen und Leser am häufigsten stellen — mit den Antworten, die auch für die tägliche Arbeit gelten.
Kann ich Quellen für Ihre Beiträge einsehen?
Bei investigativen Recherchen enthält das Abonnement einen Prüfvermerk mit Quellenangaben. In Analysen geben wir Quellen im Text an.
Wie lange dauert eine Prüfung?
Das ist unterschiedlich. Einfache Fakten dauern Stunden, aufwendige Recherchen Wochen oder Monate.
Wann wird ein Beitrag korrigiert?
Sobald ein Fehler belegt ist. Korrekturen werden mit Datum am Ende des Beitrags dokumentiert.
Nehmen Sie Themenvorschläge an?
Ja, über das Kontaktformular. Wir prüfen jeden Vorschlag und melden uns, wenn er für uns tragfähig erscheint.
Rechenschaft
Eine Arbeitsbeschreibung ersetzt keine Arbeit
Diese Seite beschreibt, wie wir arbeiten. Sie können uns daran messen. Wenn eine Analyse die Beweislage überdehnt oder eine Korrektur zu spät kommt, schreiben Sie an die Redaktion — nicht in ein soziales Netzwerk, sondern an die Adresse, die über jedem Beitrag steht.